Kopfüber ins Leben

Das Karussell des Lebens

Es dreht sich täglich für uns weiter, egal wie es uns geht, egal welches Schicksal uns ereilt. Ja so ist es, manchmal macht der Schwung des Karussells Spaß und manchmal wird uns dabei Kotzübel  aber es dreht sich unaufhörlich, Tag um Tag bis es irgendwann am Ende unserer Lebensreise stillsteht.

Nun hoffe ich mal, dass mein Stillstand noch ganz lange auf sich warten lässt. Bis dahin möchte ich mich, wie bisher weiter kopfüber in mein Leben stürzen. Ein Leben das bunt ist, ein Leben das wild ist (naja mit Corona ist es nicht ganz so bunt und wild aber wir machen das Beste draus) und das vor allem aktiv ist.

Ich bin ja nun nicht mehr so ganz jung, daher habe ich schon mit vielen Menschen in meinem Leben Kontakt gehabt und ganz oft hörte ich den Satz „irgendwann, wenn ich in Rente bin“ oder „irgendwann, wenn die Kinder raus dem Haus sind“ oder oder oder

Eigene Wünsche werden auf die lange Bank geschoben und leider erlebt man auch Verluste im Familien und Freundeskreis, wenn das Lebenskarussell von einem Moment auf den anderen stillsteht und sieht dann, dass die Wünsche, Träume und Ziele einfach nie ausgelebt worden sind.

Meine Diagnose ist nun etwas über 3 Monate alt, meine MS wohl schon 20-25 Jahre und bis jetzt habe ich gut symptomlos damit gelebt, leider ist das nun vorbei, aber „Hey – Shit happens“

Doch worauf will ich hinaus? Wir wissen mit dieser Erkrankung leider nicht was auf uns zukommt, vielleicht kommt der Tag an dem wir nicht mehr Wandern, Surfen, Bogenschießen, Marathonlaufen usw. können. Und dann? Wäre es nicht traurig zurück zu blicken und sich zu fragen was man alles verpasst hat? Diese Frage sollte sich grundsätzlich jeder stellen. Ich hatte vor 4 Jahren einen heftigen Autounfall und alle Schutzengel verbraten, das hat mir schon gezeigt wie wichtig es ist, sein Leben zu genießen.

Nun, ich gehöre zu den Frauen, denen man gerne ein wenig „Egoismus“ nachgesagt hat, das trifft sicher manchmal zu, vor allem, wenn man sein Ding macht, sein Leben versucht mit allen Sinnen zu genießen. Es bleiben natürlich immer noch Wünsche offen, ich habe einen ganzen Sack voller Wünsche, Träume und Ziele, wieso auch nicht? Man sollte immer „groß denken“, vielleicht hat man dann die Chance einen großen Teil der vielen Wünsche zu sich selbst zu erfüllen. Vor allem sich selbst!

Ich bin Fallschirm gesprungen, ich habe irrsinnige Dinge gemacht, wie auf dem Motorrad ohne Helm mit knapp 200 km/h über die Autobahn zu brettern (ja dumm ich weiß), ich habe Florida rauf und runter besucht, habe in Miami den Puls des Lebens gespürt, mir Goldmedaillen um den Hals hängen lassen weil ich im Bogenschießen auf Deutschen Meisterschaften gewonnen habe, habe erfolgreich mein zweites Standbein mit einer mobilen Praxis als Tierheilpraktikerin gegründet, besitze 2 Pferde, habe diverse Länder bereist, bin in meinem als Riskmanagerin auch ganz passabel usw.. ja ich weiß, das liest sich gerade richtig arrogant, gell? Ich will aber nur sagen, all die Dinge die zurückliegen, kann mir niemand mehr nehmen und ich weiß, ganz so wird es nie mehr sein. Die Zeit ist gekommen in manchen Dingen kürzer zu treten, manchmal zwingt mich die MS buchstäblich dazu aber, wenn ich mir meinen Sack der Wünsche ansehe, dann hat er schon deutlich abgenommen.  All die Dinge habe ich nicht komplett alleine erlebt, das wäre sicher auch traurig oder langweilig gewesen, bei vielen Dingen war meine Familie dabei. Die Strände von Sanibel Island habe ich mit Muschelsuchen mit meinem Sohn verbracht, traumhafte Stunden um 06 Uhr am Morgen, bei aufgehender Sonne… was haben wir danach Tolles draus gebastelt. Die Meisterschaften im Bogenschießen sind eigentlich das Ding meines Mannes, der da noch erfolgreicher ist als ich, ich mag das Bogenschießen aber Meisterschaften brauche ich nicht, trotzdem bin ich immer mit, damit wir schöne Wochenenden verbringen können und habe halt so „nebenbei“ mehrfach in diversen Stilarten gewonnen. Für mich nicht wichtig aber schön, dass es passiert ist. Dazu benötigt Frau natürlich den passenden Partner aber auch die Einstellung für sich selbst verantwortlich zu sein und auch selbst Wünsche zu erfüllen. Dafür arbeite hart und viel, noch geht das. Genau das ist der Grund wieso man nie zu langen warten sollte, das sich am Ende kein Bedauern einstellt. Wenn ich auf die letzten Jahrzehnte zurückblicke, dann war so mancher Erfolg (und Misserfolg) harte Arbeit aber wenn dann Wünsche oder Ziele in Erfüllung gehen, dann kann man sich nur freuen und was nun vor mir liegt, das ist sicher ein anderer Weg, er wird ruhiger, angepasster aber mir ist es wichtig das ich, egal was kommt, nicht sagen brauche „hätte ich nur…“

Das „irgendwann“ war schon für mich immer „jetzt“, so bin ich schon oft spontan los und habe mir ein neues Auto gekauft oder nur Felgen, ein Motorroller oder was auch immer. Dinge die ich liebe, will ich nicht irgendwann vor der Türe stehen haben oder genießen, wer weiß wie lange ich die Chance noch dazu habe? Deswegen – so lange ihr könnt, stürzt euch kopfüber ins Leben, die Grenzen beginnen immer in unserem Kopf. Natürlich gibt es auch körperliche Grenzen, für jeden von uns aber, wenn wir im Kopf schon Grenzen ziehen, erfahren wir nie, wo unsere physischen Grenzen sind. Bedauert nix, lebt wo es nur geht, genießt wo ihr nur kennt und überschreitet auch mal Grenzen, das Leben ist zu kurz und mit MS manchmal zu eingeschränkt um die Dinge auf die lange Bank zu schieben.

enjoy your life

Corinna alias Peppercrumb

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